Mitarbeitergewinnung
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September 8, 2026

Pädagogische Fachkräfte finden ohne Stellenportal: neun Wege für Träger

Neun Wege, wie Träger pädagogische Fachkräfte ohne Stellenportal gewinnen: Empfehlungen, Social Recruiting, Quereinstieg und mehr, mit Aufwand und Wirkung.

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Eine pädagogische Fachkraft unterstützt einen Jugendlichen bei den Hausaufgaben in einem hellen Gruppenraum

Das Wichtigste in Kürze

  • Klassische Stellenportale erreichen vor allem aktiv suchende Kandidaten und Kandidatinnen, bei einem Engpassberuf ist das nur ein kleiner Teil des Marktes.
  • Neun ergänzende Wege lassen sich unterschiedlich schnell umsetzen, von Mitarbeiterempfehlungen bis zur eigenen Karriereseite.
  • Die Arbeitgeberseite trägt alle anderen Wege mit, sie lohnt sich deshalb fast immer als Erstes.
  • Drei Wege eignen sich erfahrungsgemäß als Einstieg: Mitarbeiterempfehlungen, eine überarbeitete Karriereseite und Social Recruiting.

Warum finden Sie über Stellenportale kaum noch pädagogische Fachkräfte?

Klassische Stellenportale erreichen vor allem Kandidatinnen und Kandidaten, die aktiv suchen. Bei einem Engpassberuf wie Erzieherin oder Erzieher ist das nur ein kleiner Teil des Arbeitsmarkts, die meisten passenden Fachkräfte sind bereits beschäftigt und suchen nicht aktiv. Auf der ersten Google-Seite stehen zudem meist die großen Bewerber-Portale selbst, nicht die Karriereseite Ihres Trägers. Wer sich ausschließlich auf ein Portal verlässt, konkurriert außerdem mit vielen anderen Trägern um dieselbe kleine Gruppe aktiv suchender Kandidatinnen und Kandidaten.

Der Bertelsmann Ländermonitor Frühkindliche Bildung beschreibt die Fachkräftesituation in der frühkindlichen Bildung seit Jahren als angespannt, mit deutlichen Unterschieden zwischen Regionen. Wer nur auf ein Stellenportal setzt, erreicht deshalb einen immer kleineren Ausschnitt der überhaupt verfügbaren Fachkräfte. Diese neun Wege haben sich als Ergänzung bewährt.

  • Mitarbeiter empfehlen Mitarbeiter: geringer Aufwand, hohe Passgenauigkeit, Wirkung oft innerhalb weniger Wochen.
  • Social Recruiting: mittlerer Aufwand, baut Reichweite und Vertrauen auf, Wirkung meist nach wenigen Wochen.
  • Quereinstieg und PiA mit Fachschul-Kooperation: höherer Aufwand beim Aufbau, dafür planbare Pipeline über mehrere Jahre.
  • Praktika als Pipeline: geringer Aufwand, Wirkung typischerweise erst nach ein bis zwei Jahren.
  • Rückkehrer, Wiedereinstieg und Teilzeit-Aufstockung: geringer bis mittlerer Aufwand, oft der schnellste Weg zu zusätzlichen Stunden.
  • Regionale Netzwerke: mittlerer Aufwand, stärkt Sichtbarkeit bei Jugendamt, Trägerverbünden und Kommune.
  • Arbeitgeberseite mit echten Einblicken: einmaliger Aufwand, wirkt auf alle anderen Wege verstärkend.
  • Ausbildungs- und Berufsmessen, Schulen: mittlerer Aufwand, Wirkung mittel- bis langfristig.
  • Zurückhaltende Direktansprache: geringer Aufwand pro Kontakt, nur mit Blick auf den Datenschutz vertretbar.

Die folgenden Abschnitte zeigen, wie sich die wichtigsten dieser neun Wege in der Praxis konkret umsetzen lassen.

Eine pädagogische Fachkraft spielt mit einer Jugendlichen an einem Tisch

Wie gewinnen Sie über Ihr eigenes Team?

Zufriedene Mitarbeitende sind häufig die glaubwürdigsten Botschafter und Botschafterinnen eines Trägers. Wer sich im Team wohlfühlt, gute Arbeitsbedingungen erlebt und sich mit der Einrichtung identifiziert, spricht auch im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis positiv über den Arbeitgeber. Diese persönliche Weiterempfehlung wirkt oft überzeugender als jede Stellenanzeige.

Die wichtigste Grundlage dafür ist keine Prämie, sondern eine Arbeitskultur, die Mitarbeitende wirklich weiterempfehlen möchten. Träger können dies unterstützen, indem sie offen über freie Stellen informieren und ihrem Team einfach aufbereitete Informationen zum Weiterleiten zur Verfügung stellen. So entsteht Mitarbeitergewinnung durch echte Zufriedenheit und glaubwürdige Mundpropaganda.

Wie funktioniert Social Recruiting für Kitas, Eingliederungshilfe und Jugendhilfe?

Social Recruiting zeigt echten Alltag statt einer Stellenanzeige: kurze Videos vom Team, Einblicke in Projekte, O-Töne von Mitarbeitenden. Entscheidend ist Freiwilligkeit, jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter muss der Veröffentlichung zustimmen können, und bei Kindern und Jugendlichen gilt besondere Zurückhaltung, sie dürfen nicht identifizierbar sein. Authentische Formate wie ein kurzer Rundgang durch die Einrichtung oder ein Statement einer Erzieherin zur eigenen Motivation wirken dabei glaubwürdiger als eine gestaltete Anzeige.

In einem unserer Projekte (Häuser unserer Zukunft, Erziehungsstellen GmbH) wurden über 35 Fachkräfte in 14 Monaten eingestellt, überwiegend über Social Recruiting. Das ist ein Einzelfall und kein Regelversprechen, er zeigt aber, dass die Kombination aus authentischen Einblicken und einer klaren Karriereseite wirken kann. Wiederholbar ist vor allem das Prinzip, echte Menschen und echten Alltag zu zeigen, nicht eine einzelne Kampagne.

Wie öffnen Sie Quereinstieg und Ausbildung als Pipeline?

Quereinstieg und die praxisintegrierte Ausbildung (PiA) erschließen Zielgruppen, die über eine klassische Stellenanzeige kaum erreichbar sind. Eine feste Kooperation mit einer Fachschule in der Region liefert regelmäßig Praktikantinnen und Auszubildende, aus denen sich später Fachkräfte entwickeln. Praktika wirken dabei als Pipeline: Wer bereits während der Ausbildung gute Erfahrungen macht, bewirbt sich später eher auf eine feste Stelle. Ausbildungs- und Berufsmessen sowie direkte Kontakte zu weiterführenden Schulen ergänzen diesen Weg, auch die Bundesagentur für Arbeit bietet dafür regionale Formate zur Berufsorientierung, auch wenn die Wirkung insgesamt meist erst mittelfristig sichtbar wird. Wer diese drei Formate kombiniert, baut über mehrere Jahre eine verlässliche Pipeline auf, statt bei jeder offenen Stelle neu bei null zu beginnen.

Wen übersehen Sie: Rückkehrer, Teilzeit, Wiedereinstieg?

Ehemalige Mitarbeitende, die wegen Elternzeit oder aus persönlichen Gründen ausgeschieden sind, kennen Konzept und Team bereits, die Einarbeitung entfällt weitgehend. Teilzeitkräfte, die aufstocken möchten, sind oft schneller gewonnen als eine komplett neue Fachkraft, ebenso Erzieherinnen und Erzieher im Ruhestand, die einige Stunden pro Woche übernehmen möchten. Eine kurze, persönliche Anfrage wirkt hier meist besser als eine formelle Stellenanzeige. Ein Anruf oder eine kurze Nachricht der bisherigen Leitung wirkt dabei glaubwürdiger als eine allgemeine Rundmail an den Verteiler.

Wie nutzen Sie regionale Netzwerke?

Kostenträger, Trägerverbände und Kommunen kennen häufig Fachkräfte, die einen Wechsel erwägen, oder hören zuerst von freiwerdenden Stellen bei anderen Trägern. Ein aktiver Austausch über das Jugendhilfeportal und regionale Verbände hält Sie in diesem Netzwerk sichtbar. Ergänzend kommt eine zurückhaltende Direktansprache in Frage, etwa über berufliche Netzwerke, dabei sind die Vorgaben der Bundesbeauftragten für den Datenschutz zu beachten: keine automatisierte Datenerhebung, keine Kontaktaufnahme ohne erkennbaren beruflichen Anlass. Auch die Mitgliedschaft in einem Trägerverbund erleichtert den Austausch über offene Stellen, bevor diese öffentlich ausgeschrieben werden.

Was muss Ihre Karriereseite leisten?

Die Arbeitgeberseite ist die Grundlage, auf die alle anderen Wege verweisen, von der Empfehlung bis zur Social-Media-Anzeige. Sie sollte Gehalt transparent einordnen, etwa mit Bezug auf die Entgelttabellen des TVöD SuE, das Dienstplanmodell und die Teamgröße konkret benennen und echte Fotos statt Stockmaterial zeigen. Technisch hilft eine strukturierte Auszeichnung offener Stellen nach dem JobPosting-Format von Google, damit offene Stellen auch außerhalb der eigenen Seite auffindbar sind. Ein Bewerbungsweg, der in wenigen Minuten und ohne Anschreiben funktioniert, senkt die Abbruchquote spürbar. Da die meisten Bewerbungen inzwischen über das Smartphone erfolgen, sollte die Seite ohne Zoomen und Wischen in beide Richtungen nutzbar sein.

Welche drei Schritte zuerst?

Wenn Sie nur mit begrenzter Kapazität starten können, beginnen Sie mit der Arbeitgeberseite, weil sie alle anderen Wege trägt, mit einem einfachen Empfehlungsprogramm für das bestehende Team und mit einer ersten Social-Recruiting-Aktion, die echten Alltag zeigt. Diese drei Schritte lassen sich in wenigen Wochen anstoßen und wirken bereits, während größere Vorhaben wie eine Fachschul-Kooperation aufgebaut werden. Wer zusätzlich misst, aus welchem Weg tatsächlich Bewerbungen kommen, kann die Reihenfolge im nächsten Quartal gezielt anpassen.

Häufige Fragen

Dürfen wir Fachkräfte in beruflichen Netzwerken direkt ansprechen?

Eine zurückhaltende, individuelle Ansprache ist grundsätzlich möglich, automatisiertes Massenkontaktieren oder das Auslesen von Profildaten ist dagegen datenschutzrechtlich heikel. Prüfen Sie Einzelheiten im Zweifel rechtlich oder mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.

Wie schnell wirkt Social Recruiting im Vergleich zu einer Anzeige?

Eine Anzeige kann kurzfristig einzelne Bewerbungen bringen, Social Recruiting braucht Aufbauzeit, meist ein paar Wochen, wirkt danach aber kontinuierlich und stärkt gleichzeitig die Arbeitgebermarke.

Was tun, wenn es in der Region kaum Fachschulen gibt?

Praxisintegrierte Ausbildung lässt sich teilweise auch mit Fachschulen außerhalb der eigenen Region kombinieren, ebenso helfen digitale Angebote einzelner Fachschulträger. Regionale Netzwerkekennen oft zusätzliche Kooperationsmöglichkeiten.

Reicht eine gute Karriereseite allein aus?

Nein, sie ist die Grundlage, aber ohne Reichweite bleibt sie unsichtbar. Erst in Kombination mit Empfehlungen, Social Recruiting oder regionalen Netzwerken entfaltet sie ihre volle Wirkung.

Müssen wir bei einer Empfehlungsprämie alle Mitarbeitenden gleich behandeln?

Ja, ein transparentes Programm mit denselben Regeln für alle Mitarbeitenden vermeidet Konflikte und Unmutsgefühle im Team. Ausnahmen für einzelne Personen untergraben schnell das Vertrauen in das Verfahren.

Unterstützung beim Aufbau Ihrer Recruiting-Wege

Verbund Perspektive begleitet Träger der Kinder- und Jugendhilfe beim Aufbau mehrerer Recruiting-Wege gleichzeitig, mit einem Team aus der Sozialen Arbeit, das Trägerstrukturen, Zuwendungslogik und den Alltag in Kita und Jugendhilfe aus eigener Erfahrung kennt.

Wenn Sie besprechen möchten, welche Wege zu Ihrer Situation passen, laden wir Sie zu einem unverbindlichen Gespräch ein.

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